Was geht noch mit künstlichem Gelenk?

Solinger Bergische Morgenpost/Remscheid · 26 März 2019 · D2 · VON ANTJE DAHLHAUS

Foto:Roland Keusch
Dr. Justus Stadler (Gelenkzentrum Bergisch Land v.I.), Rüdiger Neumann (SanitätshausBeuthel), Dr. Gunnar Schauf (Gelenkzentrum Bergisch Land) und Oliver Kaul (Firmenkundenleiter der Volksbank) führten durch den Nachmittag.

Experten des Gelenkzentrums Bergisch Land und des Sanitätshauses Beuthel informierten in den Räumen der Volksbank. Es ging um Alltag, Sport und auch das Liebesleben nach der Operation.

Was geht denn noch, wenn mit dem eigenen Kniegelenk nichts mehr so recht laufen will? Künstliche Gelenke von der Hüfte bis zur Schulter waren das Thema eines Forums in den Räumen der Volksbank im Bergischen Land. Mit „Leben mit künstlichen Gelenken“war das Forum überschrieben, dem sich mehrere Mediziner annahmen, um Betroffenen Hilfestellung zu geben. Die konkreten Fragestellungen: „Alltag, Sport und Liebesleben“.

Nach der Begrüßung durch Oliver Kaul, Firmenkundenleiter der Volksbank, erläuterte Dr. Justus Stadler vom Gelenkzentrum Bergisch Land die Auswirkungen der Eingriffe generell. Zu allgemeine Tipps wollte der Mediziner nicht geben, weil es einen Unterschied mache, ob minimalinvasiv operiert worden sei oder eventuell nur ein Teil des Gelenkes ausgetauscht wurde. Fünf Tage Klinikaufenthalt seien durchschnittlich die Folge – und die Einschränkungen der Lebensqualität seien anschließend recht unterschiedlich.

Die größten Ängste konnte er den rund 30 Gästen aber schnell nehmen. „Wie lange halten Knie und Hüfte?“– eine seiner Erfahrung nach oft gestellte Frage. „Rund 90 Prozent überstehen 15 Jahre“– dies sei für viele Patienten ein guter Wert. Zunehmend hochwertigere Materialien würden diesen Zeitraum in den nächsten Jahren noch ansteigen lassen.

„Was kann ich dann noch?“Das war für viele ebenfalls eine wichtige Frage, nicht nur für eine Frau, die gerne wieder Wasserski fahren würde. Dass Hüften aus der Pfanne fliegen oder Prothesen brechen, das sei äußerst selten, versicherten die Ärzte. Auch die Angst vor Schmerzen sei viel größer als die Realität. „Je mehr sie gehen, desto weniger Schmerzen haben sie“, empfahl Stadlers Kollege Dr. Gunnar Schauf den Patienten.

Sportlich betrachtet sei der bei Senioren beliebte Sport Golf nur eingeschränkt empfehlenswert, aufgrund der Drehposition. Wandern – eventuell mit Stöcken – sei optimal, grünes Licht gab es auch für das Joggen, wenn die Kraft reiche. Schwimmen sei unter der Kategorie perfekt zu verbuchen, vor allem das Kraulen, in vielen Fällen aber auch das Brustschwimmen. Radfahren, gerne auch im Wohnzimmer, sei ebenfalls vielen Operierten ans Herz zu legen.

Blieb die Frage aller Fragen. „Wegen der sind Sie doch alle hergekommen, oder?“, fragte Gunnar Schauf lächelnd. Er veröffentlichte das Buch „Sex für Prothetiker“ vor rund einem Jahr. Er hatte einen  Patienten mit Problemen, der die Sportratschläge im Allgemeinen – aber nicht im Besonderen befolgt hatte.

Schauf erkannte, „dass man darüber nicht spricht“und versprach Abhilfe. Seine Frau illustrierte das Buch, in dem optimale Stellungen für Patienten nach solchen Operationen beleuchtet werden. Die Erkenntnisse waren mäßig erhellend. Wer keine Schulterprobleme hat, darf in der guten alten Missionarsstellung weitermachen. Sex statt Dessert ist als Nachtisch immer noch möglich. Der Rest blieb eher im Dunkeln. Wesentlich mehr Informationen hingegen gab es zu Hilfsgriffen im Badezimmer, Sinn und Unsinn von erhöhten WC-Sitzen oder weiteren Hilfsmitteln, für die Rüdiger Neumann vom Sanitätshaus Beuthel eingeladen worden war. Am Ende wurden auch viele spezielle Fragen der Teilnehmer beantwortet, zum Teil in Einzelgesprächen.

Quelle: Bergische Morgenpost/Remscheid