SuperPath – Beschreibung der OP-Technik und erste Ergebnisse

10.2017 ORTHOPÄDISCHE NACHRICHTEN

Dr. med. Henning Quitmann – Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

REMSCHEID Ziele der minimalinvasiven Techniken zur Implantation von Hüftendoprothesen sind, neben der optimalen Implantatpositionierung unter Vermeidung
von Komplikationen, die möglichst schmerzfreie Frühmobilisation mit Erreichen einer raschen Vollbelastung und einer langen Standzeit. 2011 erschien die erste Publikation von Chow (Chow, Penenberg et al. 2011) „Modified microsuperior percutaneously-assisted total hip“ über den im Folgenden SuperPath genannten Zugang zum Hüftgelenk. Entwickelt hat sich diese Technik aus dem „Supercap“- (Murphy 2004) und dem „Path“-Zugang (Penenberg, Bolling et al. 2008).

Bei dem SuperPath-Zugang wird in Seitenlagerung nach dem Spreizen der Fasern des M. gluteus maximus das Muskelintervall zwischen M. gluteus medius/minimus ventral und der Piriformis-Sehne beziehungsweise den angrenzenden Außenrotatoren dorsal genutzt. Das zu operierende Bein liegt dabei in einer entspannten Lagerung. Nicht physiologische Rotationen werden vermieden. Die Hüftgelenkkapsel wird inzidiert und später wieder vernäht. Es werden keine abgewinkelten Instrumente
für die Implantatpräparation benutzt. Die Schaftpräparation erfolgt ohne Luxation oder vorherige Osteotomie des Hüftkopfes. Die Ausrichtung des Prothesenstieles erfolgt
dabei intramedullär. Zur Einstellung der Anteversion kann wegen der noch nicht erfolgten Hüftkopfentfernung das Hüftkopfzentrum und/oder die absolute Rotation in Relation zur Unterschenkelachse dienen. Nach Beendigung der Schaftpräparation wird der Hüftkopf bei liegender Schaftraspel reseziert und entfernt. Die Hüftpfanne wird mit einem Retraktor dargestellt. Die Pfannenfräsung wird nach dem Einbringen einer Arbeitskanüle durch ein Zielgerät nach einer Stichinzision dorsal des Femurs durchgeführt. Dabei werden
die durch den Hauptschnitt eingebrachten Pfannenfräsen mit der Bohrwelle in situ gekoppelt. Die Orientierung der Pfannenposition erfolgt in üblicher Weise am vorderen, hinteren und lateralen Pfannenrand sowie am ligamentum transversum. Nach Einbringen von Hüftpfanne und -inlay wird eine Probereposition mit einem modularen Hals und Kopf durchgeführt. Neben der  funktionellen Prüfung wird auch durchleuchtet. Anschließend wird der Originalschaft modular oder nonmodular pressfit eingesetzt. Die Kopplung des Hüftkopfes erfolgt entweder intra- oder extraartikulär mit folgender Reposition. Die Kapsel wird wieder verschlossen. Falls ein Release der Piriformis-Sehne nötig war, kann diese wieder refixiert werden. Abschließend üblicher Wundverschluss mit anschließender schmerzadaptierter Vollbelastung (Abb. 1, 2).

Abb. 1: Gerade, superiore Technik für die Schaftpräparation vor der Osteotomie.

Abb. 2: Perkutan assistierte Technik für die
Bearbeitung der Hüftpfanne.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Erweiterung des Zuganges in einen klassischen posterolateralen Zugang ist jederzeit problemlos möglich.

Im Vortrag werden die Ergebnisse der ersten 80 Patienten vorgestellt, die mit dem SuperPath-Zugang operiert wurden. In der Zeit vom 20.1.2016 bis zum 9.12.2016 wurden bei 50 Frauen und 30 Männern wegen einer Coxarthrose an 80 Hüftgelenken in einem Alter von 39 bis 86 Jahren (Durchschnitt 68 Jahre) zementfreie Endoprothesen mit dem minimalinvasiven SuperPath-Zugang eingesetzt. Die Operationszeit betrug durchschnittlich eine Stunde und 25 Minuten (Min. 1 h 3‘, Max. 2 h 5‘). Der postoperative Hüftpfanneninklinationswinkel betrug im Mittel 40 Grad (Min. 28 Grad, Max. 50 Grad).

Alle Patienten konnten erfolgreich mit dem SuperPath-Zugang operiert und früh mit Vollbelastung mobilisiert werden. Durch die OP-Technik konnte in der Regel die Kapsel wieder vernäht werden. Es traten keine Schäden der Abduktoren auf. Die Piriformis-Sehne konnte gut refixiert werden und blieb in Kontinuität mit den übrigen Exorotatoren, die alle erhalten werden konnten. Eine Erweiterung des Zuganges war nicht nötig. Alle Patienten sind schmerzfrei mobil ohne Krafteinschränkungen. Beinlängenunterschiede über 5 mm traten nicht auf. Es traten zwei  Komplikationen bei den ersten Patienten 4 und 6 auf, die nicht zu einer dauerhaften Beeinträchtigung geführt haben. Bei einer Patientin trat in der Reha eine Subluxation auf, welche durch eine
geschlossene Reposition erfolgreich behandelt wurde. Bei einem Patienten musste im OP-Saal nach Hautnaht wegen einer Subluxation beim Umlagern ein Kopfwechsel erfolgen.

Schlussfolgerung

Der SuperPath-Zugang ist ein zuverlässiger minimalinvasiver Zugang zum Hüftgelenk, der erfolgreich in die klinische Routine bei nun über 160 Patienten ohne wesentliche Lernkurve und mit einer zunehmenden Verkürzung der Operationszeit eingebracht werden konnte. Er hat sich zu einem Standard-Zugang entwickelt. Er erlaubt den kompletten Erhalt der Hüftkapsel, ist risikoarm und lässt sich problemlos erweitern. Die guten Ergebnisse der bisherigen Publikationen konnten bestätigt werden.
Literatur auf Anfrage.

Autoren: Dr. med. Henning Quitmann, Carla Thau, Daniel Brandenburger, Dr. med. Georg Fritzsche, Marc Traichel

Gelenkzentrum Bergisch Land
Abteilung für Orthopädie
Fabricius Klinik
Brüderstr. 65, 42853 Remscheid
E-Mail: quitmann@gelenkzentrum-bergischland.de