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STest2019-04-23T11:45:07+02:00

Wann ist der Ersatz angebracht?

Categories: Orthopädie Aktuell|

Der endoprothetische Gelenkersatz des Kniegelenkes (Knie-TEP) ist ein effektives Verfahren zur Behandlung der fortgeschrittenen Gonarthrose und gehört zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Es gibt jedoch keinen national oder international akzeptierten Konsens zur genauen Indikationsstellung

2019-03-20T10:26:19+02:00

Hüft- und Knieprothesen halten länger als gedacht

Acht von zehn Knieprothesen und sechs von zehn Hüftprothesen haben heute eine Haltbarkeit von mindestens 25 Jahren. Diese Daten veröffentlichten britische Forscher der Universität Bristol in der Fachzeitschrift “Lancet”. Allerdings: Patienten sind aktiver als früher und belasten ihre Kunstgelenke stärker.

Die Zahlen dokumentierten den herausragenden Erfolg der orthopädischen Chirurgie, so die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. Zudem sind in den vergangenen Jahren sowohl die Implantatmaterialien, die Implantatdesigns als auch die OP-Techniken permanent weiter verbessert worden.

Dennoch könne man nicht davon ausgehen, dass dadurch auch die Standzeit der jetzt implantierten Prothesen automatisch weiter verlängert werde, sagt die AE. Ein Grund: Die Patienten seien heute deutlich aktiver als früher und beanspruchten die Kunstgelenke dadurch stärker. Zudem sind viele Prothesenträger schwerer – ein weiterer Risikofaktor für eine Implantatlockerung.

Studiendaten belegen lange Standzeiten

Zur Analyse der Standzeit von künstlichen Hüft- und Kniegelenken haben die Forscher Daten aus Patientenregistern aus Australien, Finnland, Dänemark, Neuseeland, Norwegen und Schweden mit mindestens 15 Jahren Nachbeobachtung ausgewertet. Insgesamt lagen damit Studiendaten von über 500.000 Patienten zugrunde.

Bei den Hüftprothesen waren nach 15 Jahren 89 Prozent der Implantate, nach 20 Jahren 70 Prozent und nach 25 Jahren 58 Prozent der implantierten Prothesen intakt. Die Ergebnisse bei den künstlichen Kniegelenken waren noch besser: Nach 15 Jahren waren noch 93 Prozent der Knietotalendoprothesen implantiert, nach 20 Jahren noch 90 Prozent und nach 25 Jahren 82 Prozent. Die Lebensdauer von Knieteilendoprothesen betrug nach 15 Jahren noch 77 Prozent, nach 20 Jahren 72 Prozent und nach 25 Jahren noch 70 Prozent.

Deutsche Zahlen sind in die Studien nicht eingeflossen. „Bislang gibt es hierzulande kein Datenmaterial, das einen solch langen Zeitraum abdeckt“, sagt Prof. Karl-Dieter Heller, Vize-Präsident der AE. Auch wenn man deshalb die Ergebnisse sicherlich nicht 1:1 auf Deutschland übertragen könne, und die Haltbarkeit nicht das einzige Kriterium für Patientenzufriedenheit sei, zeigten die Studien doch klar: „Die Endoprothetik ist eine der erfolgreichsten Operationen überhaupt. Sie gibt den Patienten Mobilität und Lebensqualität für viele Lebensjahre zurück.“

Bessere Materialien und OP-Techniken

Seit dem Beobachtungsbeginn vor 25 Jahren habe sich viel getan: „Aus heutiger Sicht sind die damals eingebauten Prothesen, insbesondere im Bereich der Knieendoprothetik, deutlich verbessert worden“, so Heller. Eine weitere Verbesserung der Prothesenstandzeit sei hier kaum noch denkbar. Es zeige aber auch, dass schon damals gute Standards gesetzt wurden. „Mittlerweile haben wir die Materialien an Hüfte und Knie weiterentwickelt – etwa ein deutlich abriebfesteres Polyethylen, bessere Keramiken und optimierte Prothesen wie die biomechanisch an den Oberschenkelknochen angepasste Kurzschaftprothese. Dies gilt auch für die OP-Techniken, beispielsweise zur idealen Ausrichtung der Implantate im Knochen.

Demgegenüber stehen gestiegene Ansprüche der Patienten an ein Leben mit Endoprothese. „Heute möchten viele wie vor der Arthrose Sport treiben – und tun dies auch“, stellt Heller, der Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist, fest. Dies gelte nicht nur für die jüngeren Patienten: „Die heute 70-Jährigen sind die 50-Jährigen von früher“, spitzt er zu.

Gestiegene Ansprüche der Patienten

Tatsächlich erlauben etwa moderne Materialpaarungen bei den Kunstgelenken einen aktiveren Lebenswandel als früher. Der Grund: sie erzeugen bei Belastung deutlich weniger Abriebpartikel – bisher eine der Hauptursachen für eine Lockerung des Implantats. Mit Belastung sei jedoch täglicher moderater Sport gemeint, etwa Nordic Walking oder Schwimmen. „Für größere Beanspruchungen fehlen Daten. So können wir langes Joggen, oder gar einen Marathon heute nicht empfehlen“, betont auch Prof. Rudolf Ascherl, Präsident der AE aus Tirschenreuth.

„Aufgrund der gestiegenen Ansprüche wird es schwer, die Haltbarkeit von Endoprothesen noch weiter zu verbessern“, fasst Heller zusammen. „Ich gehe jedoch davon aus, dass wir durch die umfassenden Weiterentwicklungen bei Material, Design und OP-Technik die Patientenzufriedenheit, etwa hinsichtlich einer bestmöglichen Funktion, noch weiter ausbauen können“, so der AE-Vize-Präsident.

Patienten sollten bei der Auswahl der Klinik darauf achten, dass Operationsstandards eingehalten werden uns ausreichend Expertise vorhanden sei. Dies sei zum Beispiel in den etwa 550 Kliniken mit einem EndoCert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) gegeben.

 

Quelle: AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V.

2019-04-23T11:47:26+02:00

Hüftgelenkersatz – Therapiemöglichkeiten bei gelockerten Hüftprothesen

2015 wurden in Deutschland 227.293 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. In demselben Jahr wurde bei 35.290 Patienten ein künstliches Hüftgelenk ausgetauscht (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bonn).

In den meisten Fällen wird eine Folgeoperation wegen aufgetretener Schmerzen durchgeführt. In vielen Fällen verlaufen aber Lockerungen von Gelenkanteilen schmerzfrei. Aus diesem Grund wird eine zumindest 2-jährige Kontrolluntersuchung – auch bei beschwerdefreien Prothesenträgern – allgemein empfohlen. Diese sollte bei einem Facharzt für Orthopädie vorgenommen werden.

Die Gründe für den Austausch eines Kunstgelenks können vielfältig sein. In der Regel handelt es sich um den Wechsel von gelockerten Anteilen (Hüftpfanne oder Hüftschaft). Nach 10 Jahren sind etwa 3-10 % der Hüftprothesen gelockert. Andere Gründe können aber auch im Abrieb von Kunststoffanteilen liegen, die zu einem fortschreitenden Knochenverlust führen können. Wegen dieser entstehenden Knochenverluste gibt es in der Fabricius Klinik, als Endoprothesenzentrum der Maximalversorgung, eine eigene Knochenbank. Hier werden Hüftköpfe nach ausgiebiger Testung auf Bakterien oder Viren gelagert, die bei einer Erstimplantation einer Hüftprothese nicht mehr gebraucht werden. Mit diesem Knochen können Knochendefekte bei der folgenden Operation aufgefüllt werden.

Statistisch liegt der Anteil von infizierten Prothesenkomponenten bei ca. 1%. In diesen Fällen sind üblicherweise zwei Operationen notwendig. Bei der ersten Operation erfolgt die Entfernung der Prothese und die Implantation eines antibiotikahaltigen Platzhalters. Nach ca. 8-12 Wochen kann dann in einer zweiten Operation ein neues Gelenk implantiert werden.

In den meisten Fällen erfolgt bei Revisionsoperationen die Verwendung von speziellen Implantaten, die z. B. im Pfannenbereich die Möglichkeit der Verschraubung der Hüftpfanne ermöglichen. Im Schaftbereich werden modulare Implantate gebraucht, die eine exakte Ausrichtung an der jeweiligen Anatomie jedes Patienten erlauben. Bei einigen Patienten muss am Oberschenkel der Hautschnitt deutlich verlängert werden, da der Oberschenkelknochen geöffnet werden muss, um z. B. Knochenzement oder eine noch teilweise feste zementfreie Prothese entfernen zu können. Anschließend werden dann sogenannte Cerclagen zur Stabilisierung des Knochens gesetzt. Die Prothesenanteile werden fast ausschließlich ohne Knochenzement implantiert. Auf Grund einer muskelschonenden Operationstechnik mit Erhalt besonders des mittleren Gesäßmuskels – des wichtigsten Muskels am Hüftgelenk – können die Patienten nach der Operation wieder hink- und schmerzfrei gehen.

Die Nachbehandlung gestaltet sich nach einem Prothesenwechsel langwieriger, da die meisten Patienten schon älter und auch die Operationen deutlich aufwändiger sind. Im Gelenkzentrum Bergisch Land wurden in den letzten 10 Jahren über 600 solcher Operationen durchgeführt.

Hüftschaftwechsel rechts mit einigen Cerclagen und einem langen Prothesenstiel

grobe Lockerung einer Hüftpfanne bei bestehendem Revisionsschaft links

Gleicher Patient nach Hüftpfannenwechsel links mit Knochenaufbau und Metallnetzen

 

 

 

 

 

 

 

 

Es schreibt für Sie:

Dr. med. Henning Quitmann – Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Dr. med. Henning Quitmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurg
Spezielle Orthopädische Chirurgie

2019-04-23T11:47:27+02:00

Hüftgelenkersatz – Die Standardprothese als goldener Standard?

Der Einbau eines künstlichen Hüftgelenkes gehört zu den erfolgreichsten Operationen in der orthopädischen Chirurgie. Durch die steigende Lebenserwartung, höheren Ansprüchen der Patienten an ihr Gelenk, verbesserte Technologie der Endoprothetik und Perfektion des perioperativen Risikomanagements und der Operationstechnik steigen die Implantationszahlen.
Nach fünfzehn Jahren sind ca. 90% der implantierten Hüftgelenke noch voll funktionsfähig.

Welche Symptome verursacht der Hüftgelenkverschleiss?

Die Beschwerdekaskade des Patienten beginnt mit leichten ziehenden Schmerzen im Bereich der Leiste, die in die Gesäßmuskulatur und in den inneren vorderen Oberschenkelbereich bis hin zum Knie und darüber hinaus bis zum Sprunggelenk ziehen können. Der Anlaufschmerz ist erheblich und später unerträglich. Es kommen die schmerzhafte Bewegungseinschränkung und der hinkende Gang hinzu, mit schmerzhafter Fehlbelastung des unteren Rückens und des Knies.
Die Betrachtung des Gangbildes und die körperliche Untersuchung des Patienten lässt schnell die Vermutung eines Hüftgelenkverschleisses zu. Die Röntgenaufnahme bestätigt die vermutete Diagnose. Sind mögliche andere Diagnosen ausgeschlossen ( Ermüdungsbrüche, primäre Muskelerkrankungen usw. ) wird die Behandlung stadiengerecht und nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten ausgerichtet. Man beginnt mit den konservativen Behandlungsmaßnahmen wie Reduzierung von Übergewicht, weiche und rutschfeste Sohlen, Krankengymnastik, medikamentöse Therapie, Injektionen usw.

Röntgenbild einer Hüftgelenkarthrose

Der Gelenkspalt ist aufgebraucht.
Der Hüftkopf reibt in der Pfanne. ( siehe Pfeil )
B: Becken mit Gelenkpfanne
K: Hüftkopf
O: Oberschenkelknochen

Sollten diese Maßnahmen dem Patienten nicht die gewünschte Verbesserung der Lebensqualität bringen, sollten operative Maßnahmen empfohlen werden. Das Implantat richtet sich dabei nach dem Alter und der Aktivität es Patienten. Das Ziel jeden Gelenkersatzes ist die Wiederherstellung einer normalen, schmerzfreien Alltagsbelastbarkeit und Beweglichkeit.

Die Standardprothese:

Sie besteht aus einer zementfreien oder zementierten Pfanne, einem Hüftkopf und einem Prothesenstiel, der im Oberschenkel verankert wird.

Schematische Darstellung einer Hüftprothese

Die Prothese wird so eingebracht, dass die ursprüngliche Gelenkgeometrie und –funktion wiederhergestellt wird.

Pfanne

Hüftkopf

Prothesenschaft

 

Die Verankerung im Knochen kann zementfrei oder zementiert erfolgen. Um den anatomischen Verhältnissen des Patientengelenkes möglichst nahe zu kommen, planen die Operation an Röntgenbildern im Computer und setzen modulare Prothesen ein. Diese ermöglichen es dem Operateur aufgrund auswechselbarer Prothesenhälse, sowie unterschiedlicher Gelenkkopfgrößen- und tiefen, die geforderte individuelle Gelenkharmonie
wieder herzustellen.

Zementierte Verankerung:

Modulare Hüftprothese

Zementierte Verankerung

Bei der Verankerung des Prothesenstiels und der Hüftgelenkpfanne hat der Zement die Aufgabe eines Formfüllers zwischen Prothese und Knochen. Das Eindrücken des Hüftstiels und der Hüftgelenkpfanne in den Zement führt zu einem Eindringen des Knochenzements in die Knochenstrukturen und dadurch zu einer sofortigen schmerzfreien Belastbarkeit. Der zu zementierende Stiel besteht aus Edelstahl. Die Hüftgelenkpfanne besteht aus abriebarmem Kunststoff (hochvernetztes Polyäthylen), der Hüftkopf aus Edelstahl oder Keramikwerkstoffen. Alle eingebrachten Implantate und Knochenzemente sind biokompatibel und verschleißarm.

Zementfreie Operationstechnik

Die zementfreie Prothese besteht in der Regel aus Titanlegierungen und wird Pressfit verankert, d.h. die einzubringende Prothese wird etwas größer gewählt als das ausgefräste Prothesenlager, so dass sich die Prothese beim Einbringen verklemmt. Eine spezielle Oberflächenbeschichtung ermöglicht das Anwachsen des Knochens an die Prothese. In die Pfanne wird ein Inlay aus Kunststoff oder Keramik eingebracht, das als abriebarmer Gelenkpartner des Hüftkopfs dient.

Zementfreie Pfanne mit spezieller Oberflächenbeschichtung

Minimalinvasiver Zugang zum Hüftgelenk.

Minimalinvasive Zugänge setzen sich nach und nach durch, da sie das Gelenk umgebende Gewebe weniger verletzen und daher zu einem schnelleren Genesen des Patienten beitragen. Sie verlangen aber ein großes operationstechnisches Können, um bei den kleinen Schnitten Fehlplatzierungen der Implantate zu vermeiden.

 

Minimalinvasiv bedeutet nicht nur einen kleinen Hautschnitt, sondern vielmehr ein besonders gewebeschonende Operationstechnik.

Die hier beschriebene Standardprothese kann immer noch als goldener Standard gelten. Die Ergebnisse sind excellent und tausendfache Implantation bestätigen die Haltbarkeit und Sicherheit der Implantate. Neue Materialien führen zu einem geringeren Abrieb der Prothesenkomponenten und damit zu einer längeren Haltbarkeit der Prothese. Für die Mehrheit der Patienten ist diese Prothese die optimale Versorgung.
Im Gelenkzentrum Bergischland führen wir die Mehrzahl der Prothesenimplantationen minimalinvasiv durch. In 2016 wurden im Gelenkzentrum ca 500 Hüftprothesen implantiert, die Mehrheit als Standardprothese.

Was kommt nach der Operation?

Direkt nach der Operation erhält der Patient Krankengymnastik, Muskeldehnungs- und Kräftigungstherapie , Gangschulung und Koordinationstraining. Die Wunde und Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert. Nach ca. 1 Wochen schließt sich eine ambulante- oder stationäre Rehabilitation für weitere 3 Wochen an. Danach sind die Patienten in der Regel ohne Gehstützen gehfähig und können die Dinge des täglichen Lebens wieder problemlos erledigen.

 

2019-04-23T11:47:27+02:00

Moderne Knie-Endoprothetik

Das Kniegelenk als eines der größten Gelenke des Menschen muss einer immensen Beanspruchung standhalten. Es besteht aus dem Oberschenkelknochen (Femur), dem Schienbein (Tibia) und der Kniescheibe (Patella), die jeweils mit Knorpel auf der Gelenkfläche überzogen sind. Zur Stabilisierung des Kniegelenks in seinem natürlichen Bewegungsablauf dienen ein komplexer Bandapparat sowie eine kräftige kniegelenkumgebende Muskulatur. Zum Ausgleich der inkongruenten Gelenkflächen befindet sich an der äußeren und inneren Seite jeweils eine halbmondförmige Faserknorpelscheibe (Meniskus) als Puffer zwischen den beiden mit Gelenkknorpel überzogenen Knochen. Neben der Hauptfunktion der Beugung (Flexion) und Streckung (Extension) kommt es auch zu Dreh- und Gleitbewegungen zwischen Ober- und Unterschenkel.
Hervorzuheben sind hierbei Bänderstrukturen (Ligamente), wie das vordere und hintere Kreuzband, sowie das Innen- und Außenband. Die Gelenkflüssigkeit sorgt für die Ernährung des Gelenkknorpels und mindert die Reibungskräfte. Jede Schädigung einer oder mehrerer Strukturen des Kniegelenks kann zum Gelenkverschleiß, einer „ Arthrose” führen.

Arthrose

Die Kniegelenkarthrose wird als „Gonarthrose” bezeichnet. Unfallbedingte Verletzungen des Gelenks sowie längerfristige Über- und Fehlbelastung können zu einer Schädigung der Knorpeloberfläche mit nachfolgendem fortschreitenden Gelenkverschleiß (Arthrose) führen.
Durch Spannung der Gelenkkapsel treten vermehrt Beschwerden und Schmerzen auf, man spricht von einer „aktivierten Arthrose”. Im Endstadium der Arthrose kann es zum vollständigen Verlust des Knorpels bis hin zur Achsfehlstellung, Bewegungseinschränkung und schließlich Versteifung des Kniegelenks kommen. Anfängliche Belastungsschmerzen, etwa beim Treppensteigen, Aufstehen vom Stuhl etc., treten zunehmend auch in Ruhe auf. Typisch für die Arthrose ist der sogenannte „Anlaufschmerz”: Morgens nach dem Aufstehen oder nach längerem Sitzen fallen die ersten Schritte schwer, denn das Gelenk ist „wie eingerostet”. Begünstigende Faktoren für die Entstehung einer Arthrose sind u. a. Übergewicht, Fehlstellungen, Sportarten mit schnellen Richtungswechseln (sog. „stop-and-go-Sportarten”), Überbelastung und vorhergehende unfallbedingte Knieverletzungen.

Sollten bei einem Knorpelverschleiß im Kniegelenk alle konservativen Therapiemaßnahmen, wie z.B. Physiotherapie, Gewichtsreduktion, Medikamente, Injektionen etc. vergeblich sein, kann ein künstlicher Gelenkersatz notwendig werden, um Beschwerdefreiheit und eine gute Beweglichkeit wiederzuerlangen. Die Hauptkriterien, die für die Empfehlung, eine Kniegelenksendoprothese zu implantieren, vorliegen müssen, sind der vom Patienten empfundene subjektive Knieschmerz, der Nachweis eines Strukturschadens im betroffenen Gelenk und das Versagen konservativer, also nicht-operativer Therapiemaßnahmen über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten. Außerdem sollte eine auf die Kniegelenkserkrankung bezogene Einschränkung der Lebensqualität und ein diesbezüglich subjektiver Leidensdruck vorhanden sein.

Schlittenprothese

Schlittenprothese

Individuell auf Ihre Erkrankung angepasst, stehen eine Vielzahl an Operationstechniken und Implantaten zur Verfügung. Je nach Art der Verschleißerkrankung werden im Wesentlichen zwei verschiedene Operationsverfahren angewandt.
Beim Oberfächenteilersatz wird nur der verschlissene innere oder äußere Gelenkanteil durch eine sogenannte Schlittenprothese ersetzt. Bei fortgeschrittenem Verschleiß unter Beteiligung weiterer Gelenkanteile ist häufig ein kompletter Oberflächenersatz notwendig.

Oberflächenersatz

Nach der Operation erfolgt unter intensiver Krankengymnastik eine rasche Mobilisation des Patienten. Der durchschnittliche stationäre Krankenhausaufenthalt nach einer Prothesenimplantation am Kniegelenk beträgt beim Teilersatz ca. 5-7 Tage, beim Totalersatz ca. 7-10 Tage.
An den stationären Aufenthalt schließt sich in der Regel eine heimatnahe ambulante oder stationäre Heilbehandlung in einer entsprechenden Rehabilitationseinrichtung an. Die weitere Nachsorge erfolgt bei uns im Gelenkzentrum Bergisch Land durch den jeweiligen Operateur selbst.

Im Gelenkzentrum Bergisch Land, mit Standorten in Remscheid und Haan, werden jährlich über 500 Knieprothesen eingesetzt, davon ca. 25% Schlitten- und 75% Totalendoprothesen. Seit vielen Jahren werden im Gelenkzentrum Bergisch Land die Langzeitverläufe der implantierten Prothesen und deren Haltbarkeit untersucht, wissenschaftlich ausgearbeitet und die Ergebnisse in der Fachpresse veröffentlicht.

Das Gelenkzentrum Bergisch Land ist in Kooperation mit der Fabriciusklinik Remscheid und dem St. Josef Krankenhaus Haan jeweils als Endoprothetikzentrum (Endocert) zertifiziert. Dies ist die höchste Auszeichnung, die in Deutschland für Kliniken mit Endoprothetischem Schwerpunkt verliehen wird.

Es schreibt für Sie:

Gelenkzentrum Bergisch Land: die Ärzte in der Zweigpraxis am St. Josef Krankenhaus Haan – Dr. med. Justus Stadler
Dr. med. Justus Stadler
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurg

Leitender Arzt der Orthopädischen Klinik in der
Fabricius Klinik, Remscheid

Verantwortlicher Arzt der Abteilung für
Orthopädie und Unfallchirurgie,
St. Josef Krankenhaus, Haan

2019-04-23T11:47:27+02:00

Ambulante Rehabilitation nach Prothesenimplantation

REHA-Training GmbH , Leverkusen.

Abb: Aussen- und Innenansicht der REHA-Training GmbH, Leverkusen.

Die ambulante Rehabilitation hat sich in Deutschland während der letzten 20 Jahre als alternatives Angebot zur stationären Rehabilitation gut etabliert. Wurden früher Rehabilitationsmaßnahmen grundsätzlich an stationären Kliniken „in der Fremde“ durchgeführt, gibt es heutzutage für die Patienten auch die Möglichkeit, die Behandlung ambulant am Heimatort durchzuführen. 30 % aller Patienten machen inzwischen von dieser Option Gebrauch – und das mit steigender Tendenz. Die Qualität der ambulanten Kliniken ist hochwertig, die Ergebnisse sind gleich gut und in mancher Hinsicht sogar besser als bei einer stationären Rehabilitation.

Die Vorteile einer ambulanten Reha liegen nah: als Patient wohnt man zu Hause, schläft im eigenen Bett und ist mit der Familie zusammen. In den meisten Fällen fördert so der Aufenthalt in einer vertrauten Umgebung den Genesungsprozess. Ambulante Reha- Kliniken sind mit den Kostenträgern, Krankenhäusern, Fachärzten und Hausärzten vor Ort bestens vernetzt, so dass bei Bedarf auf kürzestem Wege mit dem gewohnten medizinischen Umfeld des Patienten Kontakt aufgenommen werden kann. Bei der Rückkehr in das Berufs- und Alltagsleben stehen klinikeigene Sozialarbeiter zur Verfügung, die bei Fragen der Wiedereingliederung, zur häuslichen Pflege und bei Kontakten zu Behörden und Arbeitgebern unterstützen und beraten.

Wie sieht nun eine ambulante Reha- Maßnahme, z. B. nach der Versorgung mit einer Hüft- oder Knie- Endoprothese, für Sie als Patient vom praktischen Ablauf her aus?

Entsprechend dem Befund des Rehabilitationsarztes wird das Behandlungsprogramm für Sie individuell abgestimmt. Sie erhalten Ihre Therapie, in der Regel drei bis vier Wochen lang, täglich von montags bis freitags, an vier bis sechs Stunden pro Tag. Sollte Ihr Leiden zu Beginn mehr Schonung erfordern, können bei Patienten der gesetzlichen- und privaten Krankenkassen auch ganztägige Behandlungspausen angeboten werden. So können sie sich an zwei Tagen in der Woche ausruhen, ohne dass Ihnen dadurch Behandlungszeit verloren geht, denn selbstverständlich verlängert sich die Rehabilitation entsprechend.

Die Verpflegung während der Reha ist kostenfrei; als Selbstfahrer werden Ihnen die Fahrtkosten erstattet. Bei Bedarf können Sie auch unseren Hol- und Bringdienst in Anspruch nehmen. Unser interdisziplinäres Team (orthopädische Fachärzte, Fachärzte für Allgemeinmedizin, Diplom- Sportwissenschaftler, Physio- und Ergotherapeuten, Masseure, Ernährungsberater, Psychologen und Sozialarbeiter) behandelt Sie nach Ihren individuellen Bedürfnissen.

Physiotherapeutische Einzeltherapie

Blick in die Medizinische Trainingstherapie/ Gerätetraining

In der Reha erwartet Sie ein intensives Programm, bestehend aus physiotherapeutischer Einzeltherapie, Gruppengymnastik, Wassergymnastik und Trainingsmaßnahmen auf der Fläche der medizinischen Trainingstherapie.  Darüber hinaus werden auch weitere Gesichtspunkte berücksichtigt, die zur Einschränkung von Alltagsbewältigung und Erwerbsfähigkeit führen. Hierzu zählen die Behandlung von Risikofaktoren, gesundheitsgefährdendem Lebensstil, sowie die Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung.

Im Anschluss an Ihre Rehabilitation begleiten wir Sie weiter darin, Ihre Gesundheit langfristig zu erhalten. Die gesetzlichen Kostenträger bieten heutzutage ausnahmslos weiterführende Programme an, wie z. B. „IRENA“ von Seiten der Deutschen Rentenversicherung, sowie „Rehabilitationssport“ von Seiten der Rentenversicherung und der gesetzlichen Krankenkassen.
Die Reha- Nachsorge ist mit den Ihnen vertrauten Therapeuten im selben Haus möglich. Unsere weiterführenden Therapiemaßnahmen und die umfangreichen Gesundheitsangebote aus den Bereichen Prävention und Rehasport sichern und vertiefen Ihren erzielten Rehabilitationserfolg; ihrem Ziel, wieder ein normales Leben in Beruf, Familie und Gesellschaft führen zu können, kommen Sie so ein gutes Stück näher.

Es schreibt für Sie:


Dr. Jörg-André Rosenfeldt
Facharzt für Orthopädie, Rehabilitationswesen
Leitender Arzt der REHA-TRAINING GmbH

REHA-TRAINING GmbH
Am Gesundheitspark 2
51375 Leverkusen

Telefon: 0214 50 00 42-0
info@reha-training.de
www.reha-training.de

2019-04-23T11:47:28+02:00

Das künstliche Schultergelenk

Künstliche Knie- und Hüftgelenke sind heutzutage eigentlich nichts Besonderes mehr. Fast jeder kennt jemanden, der ein oder mehrere solcher Kunstgelenke im Körper trägt. Bei der Schulter sieht das allerdings schon wieder ganz anders aus. Warum ist das so? Der Hauptgrund ist der, dass ein fortgeschrittener Verschleiß des Schultergelenks in der Bevölkerung viel seltener vorkommt als vergleichbare Arthrosen von Knie- und Hüftgelenken. Dies wiederum ist unserem aufrechten Gang geschuldet. Schließlich muss man bedenken, dass Probleme der Schulter viel leichter zu „umgehen“ sind als an den Beinen, da es leichter ist, einen Arm nicht zu benutzen als ein Bein.

Was gibt es für eine Lösung, wenn der Schultergelenkverschleiß massive Probleme macht, die durch eine konservative Therapie nicht mehr ausreichend zu behandeln sind: Eine Lösung liegt im künstlichen Schultergelenk. Im Prinzip unterscheiden wir heutzutage zwei verschieden Grundtypen der Schulterprothese: die anatomische Prothese und die inverse Prothese.

Die anatomische Prothese ist dabei als Standardprothese anzusehen. Mit ihr wird die ursprüngliche Anatomie des Schultergelenks möglichst naturgetreu wiederhergestellt. Die Anatomie des Schultergelenks ist bei uns Menschen jedoch sehr variabel. Dies war ein großes Problem bei Prothesen der ersten Generation, da dort nur in einem sehr begrenzten Ausmaß Einstellungen an der Prothese möglich waren, was schlechte Operationsergebnisse mit sich brachte. Mit den inzwischen verfügbaren Prothesenmodellen der aktuellen sogenannten 4. und 5. Generation ist dies aufgrund diverser Einstellmöglichkeiten, sowie eines modularen Aufbaus bei praktisch jedem Patienten sehr gut möglich (Abb.1). Das Prinzip einer anatomischen Prothese ist im Grunde, dass der Oberarmkopf durch eine Metallkugel/-kappe, welche auf einem im Oberarmknochen sitzenden Schaft befestigt ist, ersetzt wird, und die Gelenkpfanne durch eine Kunststoffpfanne ausgetauscht wird. Die Verankerung im Knochen ist auch in der Schulterendoprothetik sowohl zementfrei als auch zementiert möglich. Ziel des Einbaus einer solchen Prothese ist neben einer Schmerzfreiheit eine möglichst komplett freie Beweglichkeit des Schultergelenks. Da im Zuge der OP auf dem Weg zum Schultergelenk ein Teil der Muskulatur vorübergehend abgelöst und am Ende der OP wieder angenäht werden muss, darf der Patient 6 Wochen nach der OP bestimmte Bewegungen nicht oder nur eingeschränkt. Der Arm wird dabei auf einem Kissen gelagert, welches zur Krankengymnastik abgenommen wird. Nach der Operation bleibt der Patient etwa eine Woche in der Klinik, eine Reha beginnt erst 5 bis 6 Wochen nach der OP, damit in der Rehaklinik auch entsprechend mit der Schulter gearbeitet werden kann. In der Zeit von Entlassung aus der Klinik bis Rehabeginn erhält der Patient einen Motorstuhl für zu Hause, auf welchem das Schultergelenk mehrfach täglich passiv bewegt wird, damit es zu keinen Verklebungen kommt. Nach 6 Wochen kann das Kissen weggelassen werden, und es erfolgt ein schrittweiser Belastungsaufbau bis zur Rückkehr zu einer normalen Schulterfunktion. Insgesamt braucht eine Schulterprothese in der Nachbehandlung wesentlich mehr Zeit als andere Prothesen. Auch wenn nach der Reha der normale Alltag in der Regel problemlos wieder aufgenommen werden kann, ist mit einem Endresultat meist erst etwa 12 Monate nach der OP zu rechnen.

Anatomische Prothese mit modularem Kopfteil

schaftfreie Schulterprothese

Neuere Prothesenmodelle zielen inzwischen darauf ab, den Schaft der Oberarmkomponente zu verkürzen oder sogar ganz wegzulassen. Diese Kurzschaftprothesen oder schaftfreien Prothesen haben den Vorteil, dass der Knochenverlust beim Protheseneinbau deutlich geringer ist und spätere Wechseloperationen erleichtert werden (Abb. 2). Da solche Prothesen allerdings einen guten Knochen als Verankerung benötigen, werden diese Prothesen in erster Linie bei jüngeren Patienten eingesetzt.

Damit eine anatomische Prothese funktioniert, ist eine intakte Muskulatur (Rotatorenmanschette) erforderlich. Die Rotatorenmanschette ist eine den Oberarmkopf umschließende Sehnenplatte, die für Abspreiz- und Drehbewegungen im Schultergelenk verantwortlich ist. Bei einem Defekt dieser Rotatorenmanschette fehlt die Kraftübertragung des Muskels auf das Gelenk, und eine Bewegung bleibt in Abhängigkeit der Defektgröße ganz aus oder wird zumindest schmerzhaft und ist nur eingeschränkt möglich. Die Schulter verliert Ihre Funktion!

Je älter ein Mensch ist, desto wahrscheinlicher ist es jedoch, dass er einen mehr oder weniger ausgeprägten Defekt der Rotatorenmanschette hat. Dann ist bei entsprechender Arthrose der Einbau einer anatomischen Prothese möglich, die Schulter wird aber schmerzhaft und in ihrer Bewegung eingeschränkt bleiben. Die Prothese rutscht beim Versuch, den Arm zu heben, praktisch nach oben aus der Pfanne raus, da die Rotatorenmanschette fehlt. In einem solchen Fall muss dann eine sogenannte inverse Prothese eingebaut werden. Bei dieser Prothese werden Kopf und Pfanne praktisch vertauscht. Auf die Gelenkpfanne des Schultergelenks wird eine Basisplatte mit Schrauben fixiert, und auf diese wird wiederum eine Kugel, die sogenannte Glenosphäre, verschraubt; in den Oberarmknochen wird ein Schaft (je nach Knochenqualität zementfrei oder zementiert) eingebracht, auf welchen dann, statt wie bei der anatomischen Prothese ein Metallkopf, ein geschüsseltes Inlay als Pfanne aufgebracht wird (Abb. 3). Zum Heben des Armes wird nun nicht mehr die Rotatorenmanschette benötigt, sondern der Deltamuskel übernimmt diese Funktion. Statt eines nach oben rutschenden Kopfes gleitet nun die Pfanne um die an der ehemaligen Pfanne befestigten Halbkugel (Glenosphäre). Aufgrund des Designs einer inversen Prothese sind im Vergleich zur anatomischen Prothese die möglichen maximalen Bewegungsausmaße bei Ein- und Auswärtsdrehungen im Schultergelenk etwas geringer. Da für die inverse Prothese die Rotatorenmanschette nicht erforderlich ist, kann die Nachbehandlung schneller vorangetrieben werden. Zwar erhalten auch Patienten mit einer solchen Prothese ein Kissen für die ersten 6 Wochen. Sie dürfen jedoch direkt nach dem Krankenhausaufenthalt mit der Reha beginnen. Allerdings ist auch hier eine lange Nachbehandlungszeit erforderlich und ein „Endzustand“ ist erst nach 12 Monaten erreicht.

inverse Schulterprothese

Konvertierbare anatomische Schulterprothese

Ähnlich der anatomischen Prothese gehen auch bei der inversen Prothese neuere Prothesendesigns dazu über den Schaft der Oberarmkomponente zu verkürzen oder teilweise sogar ganz wegzulassen. Ob dies mittel und langfristig Vor- oder vielleicht auch Nachteile hat, ist aktuell noch nicht abzusehen.

Was passiert aber, wenn sich eine Schulterprothese lockert?

Eine Wechseloperation bei Schulterprothesen ist nie einfach und mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen, sowie der Gefahr eines schlechteren Ergebnisses vergesellschaftet. Meist ist es gut möglich, eine anatomische Prothese in eine inverse Prothese zu wechseln. Eine gelockerte inverse Prothese ist jedoch deutlich schwerer zu wechseln. Sie kann nur gegen eine neue inverse Prothese gewechselt werden, was insbesondere im Bereich der Schultergelenkspfanne, an der bei der inversen Prothese die Kugel (Glenosphäre) befestigt ist, extrem schwer bis unter Umständen unmöglich ist. Aus diesem Grunde sollte, wann immer möglich, eine anatomische Prothese eingebaut werden, und eine inverse Prothese nach Möglichkeit nur bei Patienten höheren Lebensalters Verwendung finden.

Um künftige Wechseloperationen zu erleichtern, sind neben den bereits erwähnten schaftfreien Prothesen inzwischen auch sogenannte konvertierbare Prothesen verfügbar (Abb. 4). Diese sind modular aufgebaut und ermöglichen es, bei einer möglichen Wechseloperation den im Oberarmknochen befindlichen Schaft zu belassen, so dass „nur“ die oberen Komponenten gegen eine entsprechende Pfannenkomponente ausgetauscht werden müssen. Solche Prothesen werden inzwischen immer häufiger bei jüngeren Patienten verwendet.

Als Fazit sollte man zum einen, wann immer möglich, die Rotatorenmanschette erhalten, um der Entstehung einer Arthrose vorzubeugen bzw. deren Voranschreiten zu verlangsamen. Zum anderen sollte bei einer entsprechend ausgeprägten Arthrose und noch intakter Rotatorenmanschette eine anatomische Prothese eingesetzt werden.

Es schreibt für Sie:

Dr. med. André Knust

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurg
Leitender Arzt der Orthopädischen Klinik in der
Fabricius Klinik, Remscheid

2019-04-23T11:47:28+02:00

Sprunggelenksprothese (OSG-TEP)

Das obere Sprunggelenk spielt eine Schlüsselrolle für den ungestörten Gangablauf – kann bei einer Arthrose ein künstliches Gelenk diese Funktion übernehmen?

Wer mal mit dem Sprunggelenk (OSG) umgeknickt ist, einen Bänderriss hatte oder sich den Knöchel gebrochen hatte, weiß, wie stark man dadurch für einige Zeit beeinträchtigt ist. Hat sich ein Verschleiß (Arthrose) des oberen Sprunggelenks entwickelt, so leidet man dauerhaft an Gelenkerguss, Schwellung, Instabilität oder Deformität, sowie der Einschränkung der körperlichen Belastung. Treppensteigen, Gehen auf Kopfsteinpflaster oder Barfußlaufen am Strand sind neben den Schwierigkeiten bei der Wahl eines tragbaren Schuhwerks nur einige Situationen, die die Lebensqualität des Betroffenen deutlich beeinträchtigen.

Sprunggelenk ohne Verschleiß

Sprunggelenk mit Verschleiß und dadurch bedingter Fehlstellung

Im Alltag muss das Sprunggelenk hohe Belastungen beim Laufen, Springen und bei komplexen Bewegungen tolerieren. Sie können bis zum 7-fachen des Körpergewichts ausmachen und wirken dabei auf eine relativ kleine Gelenkfläche. Den gabelförmigen knöchernen Anteil des Gelenks (sog. Knöchelgabel) bilden Schienbein (Tibia), Wadenbein (Fibula) und Sprungbein (Talus) in einem fein abgestimmten Verhältnis. Muskel-, Sehnen- und Bandapparat am Innenknöchel und am Außenknöchel erhalten durch ihre korrekte Spannung und ungestörte Funktion die sensible Statik im Sprunggelenk. Ein operativer Ersatz (Prothese) bei einer Arthrose eines so störungsempfindlichen Gelenks, das auch hoher Belastung standhalten muss, ist daher sehr anspruchsvoll.

Die ersten künstlichen Sprunggelenke wurden bereits 1970 eingesetzt. Die modernen Sprunggelenks-prothesen bestehen aus zwei bzw. drei Komponenten, die zementfrei eingebracht werden. Sie wachsen nach entsprechender Präparation an den jeweiligen ehemaligen Gelenkflächen in die Knochenoberfläche ein (Press-Fit-Implantationstechnik). Die Prothese setzt sich zusammen aus einer Kappe für die Sprungbein-Rolle (Talus) und einer Abstützplatte für das Schienbein (Tibia). Beide sind je nach Modell mit einer Spezialbeschichtung beispielsweise mit Titan/Calciumphosphat versehen, die ein optimales Gleiten und Bewegen gewährleistet und wenig Abrieb erzeugt. Zwischen diesen beiden Komponenten wird ein frei beweglicher Kunststoff-Gleitkern in individueller Größe eingefügt. Alle Teile werden von den umgebenden Muskeln und Bändern geführt, so dass ein natürlicher Bewegungsablauf des Gelenks ermöglicht wird. Die anatomische Form der Komponenten lässt eine Rollgleitbewegung zu und ahmt somit größtenteils die natürliche Funktion des oberen Sprunggelenks nach. Zusätzlich ist es heutzutage möglich, durch verschiedene Prothesengrößen und -komponenten die Implantate individuell an die anatomischen Gegebenheiten anzupassen.

Beispiel eines Sprunggelenksprothesenmodells: zementfreie Zenith™ Corin -Prothese

Therapieziel bei der Implantation einer Sprunggelenksprothese („Künstliches Gelenk“) ist der schmerzfreie Erhalt der bisherigen Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk und im Idealfall eine Verbesserung des Bewegungsausmaßes und Gangbildes. Dadurch reduziert sich zudem die Anfälligkeit der benachbarten Gelenke, eine Arthrose zu entwickeln.
Voraussetzungen für die erfolgreiche Implantation einer Sprunggelenksprothese sind neben einer guten Knochensubstanz ein ausreichend stabil regulierter Bandapparat und eine weitgehend normale Fußachse. Grobe Fehlstellungen im oberen Sprunggelenk können die Operation erheblich erschweren, weil mit der Prothese lediglich die durch die Arthrose zerstörten Gelenkflächen ersetzt und primär zunächst keine Fehlstellungen ausgeglichen werden. Diese müssen dann durch Zusatzeingriffe an Knochen oder Sehnen erfolgen, was wiederum eine exakte präoperative Beurteilung der individuellen Situation erforderlich macht. Durch die körperliche Untersuchung des Patienten und Beurteilung der Bildgebung (Röntgen, Kernspintomographie (MRT) sollen Kontraindikationen wie Durchblutungsstörungen im Bereich des Sprungbeins, Infektionen und schwere Weichteilprobleme, die einen Sprunggelenksersatz unmöglich machen, ausgeschlossen werden.

Der Eingriff wird in Regionalanästhesie oder in Allgemeinnarkose durchgeführt und dauert zwischen 90 und 120 Minuten. Die meisten Prothesenmodelle werden über einen längsverlaufenden Hautschnitt vorne am oberen Sprunggelenk eingesetzt. Der Einbau der Prothese erfolgt mit Hilfe von präzisen Ausrichtungs- und Sägeschablonen. Nach Wunsch kann ein Schmerzkatheter gelegt werden, um nach der Operation individuell angepasst Schmerzmedikamente geben zu können. In der Regel kann der Patient mit entsprechender Unterstützung bereits am 1. Tag aufstehen. Eine Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit und Muskelaufbau kann direkt begonnen werden. Zwei Wochen nach der Operation erfolgt die zunehmende Belastung, ggf. in einer stabilisierenden Schiene. Autofahren ist ca. 8 Wochen nach Protheseneinbau möglich, wenn der Fuß auch in Gefahrensituationen wieder voll belastbar ist. Die Nachbehandlung umfasst ca. 6-12 Wochen. Eine Reha ist nicht unbedingt erforderlich.

Intraoperatives Bild einer eingebauten Prothese

Röntgenbild in der seitlichen Ansicht mit Prothese