Project Description

Jährlich werden in Deutschland etwa 150.000 künstliche Kniegelenke erfolgreich implantiert. Die in den nationalen Prothesenregistern nachuntersuchte Lebensdauer einer eingesetzten Kniegelenkendoprothese liegt bei mehr als 15 Jahren. Das bedeutet, nach 10 Jahren sind noch mehr als 90 Prozent, nach 15 Jahren noch mehr als 80 Prozent der Prothesen intakt. Standzeiten von 20 Jahren und mehr sind in dem von uns beobachteten Patientengut nicht selten. Ist eine Prothese jedoch verschlissen oder gelockert, wird eine erneute Operation mit Komplett- oder Teilwechsel der Prothesenkomponenten erforderlich.

Die häufigsten Ursachen für Wechseloperationen sind die Prothesenlockerung durch Verschleiß der Gleitpartner einer Prothese und die daraus resultierenden Abriebprodukte, sowie die Lösung der Prothesenteile im Knochen durch Knochenentkalkung und Knochenzementaufbruch.

Weitere Ursachen für Wechseloperationen können Früh- oder Spätinfektionen des Gelenks sein. Seltener sind unfallbedingte Knochenbrüche nahe der Prothese oder Bandverletzungen mit daraus resultierenden Fehlstellungen. Allergien gegen Bestandteile der Prothesen, sowie technisches Versagen der Prothesenkomponenten sind andere mögliche Gründe.

Jede Wechseloperation stellt eine individuelle und nur bedingt vorhersehbare Situation dar, auf die man bei der Planung und Durchführung des Eingriffs reagieren muss. Dieses sicherzustellen, benötigt erfahrene Operateure, modernste operationstechnische Ausstattung und alle Möglichkeiten der im Einzelfall erforderlichen Wechselprothesenauswahl.

Die genaue Analyse der Ursachen durch eingehende Voruntersuchungen, präoperative digitale Implantationsplanungen, die individuelle Auswahl von Implantatkombinationen im modularen Baukastenprinzip und das Vorhandensein einer Knochenbank sind hierzu Voraussetzung. Daneben ist eine enge Zusammenarbeit mit Mikrobiologen, Allergologen und Pathologen wichtig. Auch in der Nachbehandlung sind besondere, dem Einzelfall angepasste Therapiekonzepte zu berücksichtigen.

Ist eine Wechseloperation erforderlich, muss eine eingehende klinische Untersuchung des Patienten und des betroffenen Kniegelenks erfolgen. Hierbei können bereits Entzündungszeichen, Instabilitäten oder Fehlstellungen nachgewiesen werden.  Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie oder Knochenszintigraphie weisen Lockerungen, Brüche oder Materialversagen nach. Allergietests, Blutuntersuchungen und die mikrobiologische Auswertung von Gelenkpunktaten oder Gewebeproben können Allergien und Infektionen als Ursache belegen. Wichtig ist auch die genaue Kenntnis der Krankengeschichte und der bei der Erstimplantation verwendete genaue Prothesentyp anhand der Operationsberichte und des Endoprothesenpasses.

Ist eine Infektion die Ursache für die Wechseloperation, so muss je nach Krankheitserreger in der Regel zunächst ein Ausbau der Prothese erfolgen und ein mit spezifischen Antibiotika versehener Platzhalter eingesetzt werden. Erst wenn das Gelenk vollständig keimfrei ist, kann die erneute Implantation einer Revisionsprothese erfolgreich durchgeführt werden. Liegen mechanische Ursachen vor, so kann der Wechsel in einer Operation erfolgen.

Bei größeren Knochendefekten ist die Verwendung spezieller Stilverankerungen oder Defektüberbrückungen an der Prothese selbst erforderlich.

Oftmals können solche Defekte auch durch Knochenimplantation aus der Knochenbank aufgefüllt werden. In einfachen Fällen, bei denen nur die Kunststoffkomponente der Prothese verschlissen ist, reicht der Wechsel in eine neue, stabile Komponente. Die Komplikationsmöglichkeiten bei oder nach Wechseloperationen am Kniegelenk sind die gleichen, wie bei der Erstimplantation. Verständlicherweise ist das Komplikationsrisiko wegen des aufwändigeren Eingriffs etwas höher einzustufen.

Die orthopädischen Chirurgen des Gelenkzentrums Bergisch Land implantieren in den zertifizierten Endoprothesenzentren der Fabricius – Klinik Remscheid und im St. Josef Krankenhaus Haan mehr als 500 primäre Kniegelenktotalendoprothesen und mehr als 60  Wechseloperationen jährlich. Hierdurch kann auch nach Lockerung oder Infektion einer Kniegelenkendoprothese erneut die Funktionalität und Mobilität des Kniegelenks wiederhergestellt werden.

Es schreibt für Sie:

Dr. med. Dieter Temmen
Dr. med. Dieter Temmen
Verantwortlicher Arzt der Abteilung für
Orthopädie und Unfallchirurgie,
St. Josef Krankenhaus, Haan