Project Description

Zunehmend fragen junge Patienten mit einer Arthrose des Hüftgelenks nach einer Versorgung mit einem künstlichen Gelenk. Hier stellt sich die Frage nach dem möglichen Implantat. Wir bieten in der Fabricius Klinik, als EndoprothesenZentrum der Maximalversorgung, alle verfügbaren Implantatvarianten an.

Abb. 1 Röntgenbild einer Hüftgelenkarthrose Abbildung 1: Röntgenbild einer Hüftgelenkarthrose. Der Gelenkspalt ist aufgebraucht. Der Hüftkopf reibt in der Pfanne. (siehe Pfeil) B: Becken mit Gelenkpfanne K: Hüftkopf O: Oberschenkelknochen

Es gibt die Möglichkeiten der klassischen Versorgung mit einem längeren Stiel, die neuere Variante der sogenannten Kurzschaftprothesen und die alternative Versorgung mit einer Oberflächenersatzprothese (nach „McMinn“) – (siehe Abb. 1).

Hierbei handelt es sich um die knochenerhaltendste Operationsmethode zur Behandlung einer Arthrose des Hüftgelenks im fortgeschrittenen Stadium. Dabei wird sowohl der Hüftkopf als auch der Schenkelhals erhalten. Am Hüftkopf erfolgt nur ein Abtragen der oberflächlichen Knorpel- und Knochenschicht, so dass eine Metallkappe auf den verbleibenden Knochen mit Knochenzement befestigt werden kann. Auf der Beckenseite, der sogenannten Hüftpfanne, wird eine künstliche Metallpfanne ohne Knochenzement eingesetzt und verklemmt (Abb. 2).

Abb. 2 Schematische Darstellung einer Hüftprothese

Problematisch bezüglich der Langzeithaltbarkeit eines künstlichen Hüftgelenks ist die Versorgung von Patienten unter 65 Jahren. Studien haben gezeigt, dass je jünger die Patienten sind, desto eher lockern sich Prothesen mit einem klassischen Stiel. Vermutlich ist der hohe Aktivitätsgrad bei jungen Patienten der Grund für eine frühere Lockerung von Stielprothesen. Die Kräfte, die vom Körper in das Bein eingeleitet werden, müssen über das künstliche Gelenk übertragen werden. Bei den Kappenprothesen erfolgt diese Krafteinleitung physiologisch, das heißt der normalen Anatomie entsprechend. Bei den Schaftprothesen müssen die Kräfte im Bereich des Oberschenkelschaftes aufgenommen werden. Kappenprothesen können der normalen Anatomie entsprechend eingesetzt werden, die Ausrenkungsrate ist geringer und in der Regel das Aktivitätsniveau nach der Operation höher.

Wie bei allen Verfahren gibt es neben Vorteilen auch mögliche Nachteile. So kann in ca. 1% der Fälle ein Bruch des Schenkelhalses oder eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes unter dem Metall eintreten. Ein weiterer möglicher Nachteil dieser Versorgungsart ist die Gleitpaarung: leider wurden vor mehreren Jahren Prothesen verwendet, die so konstruiert waren, dass es zu einem erhöhten Metallabrieb gekommen ist. Diese Implantate werden nicht mehr hergestellt. Ein möglicher Metallabrieb kann zu lokalen Gewebereaktionen führen, wodurch es auch zu Lockerungen kommen kann. Wir verwenden ein Implantat, welches sich in unserer Klinik schon seit 13 Jahren bewährt hat. Regelmäßig führen wir Untersuchungen zu den Metallionen-Konzentrationen im Blut durch, wobei bisher keine wesentlichen Erhöhungen festgestellt werden konnten.

Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsstörung, bei schlechten Knochendichtewerten und bei Frauen mit Kinderwunsch wird eine Kappenprothese nicht empfohlen. Bei schweren Veränderungen des Hüftkopfes kann aus technischer Sicht die Implantation einer Kappenprothese nicht mehr realisierbar sein.

Nach unserer Erfahrung ist daher insbesondere bei jungen Männern dieses Implantat in Betracht zu ziehen.

Abb. 3: von links nach rechts: Oberflächenersatz, Kurzschaftprothese, zementfreie Schaftprothese

Abb. 4: implantierte Kappenprothese, Erhalt von Schenkelhals und Hüftkopf (Quelle: Firma Microport, http://www.ortho.microport.com/index.cfm/corporate/international-locations/microport-scientific-germany/)

Abb.5: Röntgenbild eines Patienten aus dem Jahr 2003

Abb.6: Röntgenbild desselben Patienten aus dem Jahr 2016 mit weiterhin perfektem Implantatsitz.

Kurzschaftprothese

Die demographische Entwicklung  bringt mit sich, dass Patienten zwischen 50 und 60 Jahren Lebensalter langfristige Mobilitätsansprüche erwarten können. Hier sind mögliche Wechseloperationen zu berücksichtigen. Um diese Lücke zu füllen, wurde die Kurzschaftprothese (s.Abb.1) entwickelt. Sie ermöglicht es als modulares System, viel Knochenmasse des Oberschenkelhalsknochens zu erhalten, um später komplikationslos in eine Langschaftprothese (Standardprothese) wechseln zu können.  Angestrebt wird daher eine zementfreie Verankerung. Die Knochenstruktur im Schenkelhalsbereich muss allerdings stabil sein, so dass diese Prothese für ältere Patienten oder Patienten mir Osteoporose weniger geeignet ist

Das kurzschaftige Design ist mit allen Gleitpaarungen einsetzbar und anatomisch geformt. Die Integration in den Knochen erfolgt über drei  Abstützzonen (s.Abb.2) und wird durch die Beschichtung der Oberfläche erleichtert.

Die geringe Größe der Prothese ermöglicht die minimalinvasive Implantation der Komponenten. Die geschädigte Hüftpfanne wird, wie bei den anderen Prothesen, passgerecht aufgefräst und mit einer zementfreien Pfannenkomponente versehen. Anders als bei der Standardoperation wird der zerstörte Hüftkopf nur kurz über dem Oberschenkelhalsknochen abgetrennt, und der Kurzschaft unter Röntgenkontrolle passfest eingeschlagen. Dieser kann dann wahlweise mit einem beliebigen Kopfteil versehen werden. Die Nachbehandlung entspricht dem Rehabilitationsprinzip der herkömmlichen zementfrei verankerten Hüftprothesen.

Ergebnisse

Die Kurzschaftprothese ist im Prinzip kein ganz neues System. Die bisherigen Implantate waren jedoch nur wenig kleiner als die Standardprothesen und der Vorteil nur gering. Mit den jetzt seit mehr als  4 Jahren von uns verwendeten modernen Kurzschaftprothesen ist, durch die Kombination von Modularität und sparsamer Knochenresektion, eine optimale und patientenindividuelle endoprothetische Versorgung der Hüfte möglich. Die langfristige Zuverlässigkeit der Implantate wurde in weltweiten Nachuntersuchungen bereits bestätigt. In den von uns geleiteten Endoprothesenzentren in Remscheid und Haan implantieren wir jährlich mehr als 50 dieser Kurzschaftprothesen.

Abb.7: Zementfreie Kurzschaftprothese mit Keramikpaarung

Abb.8: Abstützzonen der Kurzschaftprothese

Es schreiben für Sie:

Dr. med. Henning Quitmann
Dr. med. Henning Quitmann
Leitende Ärzte der Orthopädischen Klinik in der
Fabricius Klinik, Remscheid
Dr. med. Gunnar Schauf
Dr. med. Gunnar Schauf
Verantwortlicher Arzt der Abteilung für
Orthopädie und Unfallchirurgie,
St. Josef Krankenhaus, Haan
Dr. med. Dieter Temmen
Dr. med. Dieter Temmen
Verantwortlicher Arzt der Abteilung für
Orthopädie und Unfallchirurgie,
St. Josef Krankenhaus, Haan