Project Description

2015 wurden in Deutschland 227.293 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. In demselben Jahr wurde bei 35.290 Patienten ein künstliches Hüftgelenk ausgetauscht (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bonn).

In den meisten Fällen wird eine Folgeoperation wegen aufgetretener Schmerzen durchgeführt. In vielen Fällen verlaufen aber Lockerungen von Gelenkanteilen schmerzfrei. Aus diesem Grund wird eine zumindest 2-jährige Kontrolluntersuchung – auch bei beschwerdefreien Prothesenträgern – allgemein empfohlen. Diese sollte bei einem Facharzt für Orthopädie vorgenommen werden.

Die Gründe für den Austausch eines Kunstgelenks können vielfältig sein. In der Regel handelt es sich um den Wechsel von gelockerten Anteilen (Hüftpfanne oder Hüftschaft). Nach 10 Jahren sind etwa 3-10 % der Hüftprothesen gelockert. Andere Gründe können aber auch im Abrieb von Kunststoffanteilen liegen, die zu einem fortschreitenden Knochenverlust führen können. Wegen dieser entstehenden Knochenverluste gibt es in der Fabricius Klinik, als Endoprothesenzentrum der Maximalversorgung, eine eigene Knochenbank. Hier werden Hüftköpfe nach ausgiebiger Testung auf Bakterien oder Viren gelagert, die bei einer Erstimplantation einer Hüftprothese nicht mehr gebraucht werden. Mit diesem Knochen können Knochendefekte bei der folgenden Operation aufgefüllt werden.

Statistisch liegt der Anteil von infizierten Prothesenkomponenten bei ca. 1%. In diesen Fällen sind üblicherweise zwei Operationen notwendig. Bei der ersten Operation erfolgt die Entfernung der Prothese und die Implantation eines antibiotikahaltigen Platzhalters. Nach ca. 8-12 Wochen kann dann in einer zweiten Operation ein neues Gelenk implantiert werden.

In den meisten Fällen erfolgt bei Revisionsoperationen die Verwendung von speziellen Implantaten, die z. B. im Pfannenbereich die Möglichkeit der Verschraubung der Hüftpfanne ermöglichen. Im Schaftbereich werden modulare Implantate gebraucht, die eine exakte Ausrichtung an der jeweiligen Anatomie jedes Patienten erlauben. Bei einigen Patienten muss am Oberschenkel der Hautschnitt deutlich verlängert werden, da der Oberschenkelknochen geöffnet werden muss, um z. B. Knochenzement oder eine noch teilweise feste zementfreie Prothese entfernen zu können. Anschließend werden dann sogenannte Cerclagen zur Stabilisierung des Knochens gesetzt. Die Prothesenanteile werden fast ausschließlich ohne Knochenzement implantiert. Auf Grund einer muskelschonenden Operationstechnik mit Erhalt besonders des mittleren Gesäßmuskels – des wichtigsten Muskels am Hüftgelenk – können die Patienten nach der Operation wieder hink- und schmerzfrei gehen.

Die Nachbehandlung gestaltet sich nach einem Prothesenwechsel langwieriger, da die meisten Patienten schon älter und auch die Operationen deutlich aufwändiger sind. Im Gelenkzentrum Bergisch Land wurden in den letzten 10 Jahren über 600 solcher Operationen durchgeführt.

Hüftschaftwechsel rechts mit einigen Cerclagen und einem langen Prothesenstiel

grobe Lockerung einer Hüftpfanne bei bestehendem Revisionsschaft links

Gleicher Patient nach Hüftpfannenwechsel links mit Knochenaufbau und Metallnetzen

 

 

 

 

 

 

 

 

Es schreibt für Sie:

Dr. med. Henning Quitmann – Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Dr. med. Henning Quitmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurg
Spezielle Orthopädische Chirurgie