Hüfte

Die Hüfte besteht aus einem Kugelgelenk, der umliegenden Kapsel und den Muskeln. Beim Gehen, Laufen oder Springen übernimmt sie eine stoßdämpfende Funktion und ist dadurch teils großen Belastungen ausgesetzt.

Bei einer Hüfterkrankung treten die Beschwerden nicht nur im Bereich des Hüftgelenks auf, sondern können bis in den Rücken und das Kniegelenk ausstrahlen.

Krankheitsbilder

 

Hüftgelenksverschleiß (Coxarthrose)

Fehlstellungen der Hüfte (Hüftdysplasie) oder des Oberschenkelknochens führen zu einer übermäßigen einseitigen Abnutzung der Gelenke. Über einen längeren Zeitraum können dadurch Folgeerkrankungen wie Arthrose entstehen

Konservative Therapien

Durch physiotherapeutische Übungen wirken wir Erkrankungen gezielt entgegen. Zu unseren Therapiemethoden zählen u. a.:

  • Kälteanwendungen
  • Wärmeanwendungen
  • Elektrotherapie
  • Magnetfeldtherapie
  • Ultraschall
  • Akupunktur
  • Medikamente
  • Streckbehandlung (Extension)
  • Injektionen (z. B. Hyaluronsäure für eine verbesserte Gleitfähigkeit des Gelenks)

Zur Entlastung des Hüftgelenks empfehlen wir auch technische Hilfen wie Gehstützen oder Strumpfanziehhilfen sowie weiches Schuhwerk.

Durch die konservativen Maßnahmen können wir Ihnen entsprechend dem Stadium der Erkrankung entscheidend zu einer verbesserten Lebensqualität verhelfen.

Operationen

Hüftgelenksnahe Achskorrekturen

Erfolgt keine frühzeitige konservative Behandlung, muss die Fehlstellung mit einer Umstellungsoperation (Osteotomie) korrigiert werden. Dabei wird der Knochen am Oberschenkel durchgetrennt und mit Drähten, Klammern oder Schrauben in der korrekten Stellung fixiert. Entstandene Knochenspalten brauchen in der Regel nicht mit fremden Knochen oder Knochenersatz aufgefüllt zu werden. Nach Heilung des Knochenschnittes kann frühestens nach einem Jahr das Metall entfernt werden. Unser Ziel ist es, dem Patienten so zu einem natürlichen gesunden Gang zu verhelfen und den Einsatz von Prothesen zu verhindern. Nach einer Korrekturoperation ist mit einer längeren Zeit der Nachbehandlung und der Arbeitsunfähigkeit zu rechnen.

Arthroskopische Knorpeltherapie am Hüftgelenk

Generell kommen alle Verfahren zur Behandlung des Knorpels, die aus der Knie- oder Schulterarthroskopie bekannt sind auch bei der Hüftarthroskopie zum Einsatz.

Bei der Knorpelglättung wird der raue Knorpel geglättet, um ein besseres Reibeverhalten zu gewährleisten. Zu den knorpelstimulierenden Behandlungen gehört die Mikrofrakturierung oder Abrasion. Mittels kleiner Ahlen oder kleiner Fräsen werden Löcher in die knöcherne Grundplatte zwischen Knorpel und Knochen gebohrt. Hierdurch kommt es zu minimalen Blutungen, die innerhalb von Wochen zu einer Knorpelnarbe führen.

Oberflächenersatz am Hüftgelenk

Der Hüftoberflächenersatz ist eine knochenschonende Alternative zur konventionellen Versorgung Ihres Hüftgelenkes. Im Gegensatz zu konventionellen Verfahren wird beim Oberflächenersatz der Kopf des Oberschenkelknochens nicht entfernt. Er wird nur soweit bearbeitet, dass er mit einer Kappenprothese aus Metall (sogenannte „McMinn“ Operation) überkront werden kann. Zusätzlich wird die Hüftpfanne mit einer Metallschale ausgekleidet. Bei dieser Methode wird also nur die abgenutzte Oberfläche und nicht mehr das komplette Gelenk ersetzt.

Gerade für den jungen und aktiven Patienten (bis ca. 65 Jahre) bietet der Oberflächenersatz entscheidende Vorteile gegenüber einer Standardprothese:

  • Wiederherstellung der natürlichen Gelenkanatomie
  • größere Stabilität und Ausrenkungssicherheit
  • knochensparend und damit gute Voraussetzung für mögliche, spätere Wechseloperationen
  • meist schnellere Rehabilitation
Informationen zum Oberflächenersatz

Empfehlungen zur Handhabung von „Metall-Metall-Gleitpaarungen“

Aktuelle Konsensus-Empfehlungen zur Handhabung von Metall-Metall-Gleitpaarungen

Bitte bringen Sie zu einem Vorstellungstermin Röntgenbilder, den Operationsbericht, den Entlassungsbrief und den Implantatpass mit.

Totalendoprothese (TEP) des Hüftgelenks

Wir setzen jedes Jahr über 300 künstliche Hüftgelenke ein. Es handelt sich dabei um eine Standardoperation in unserer Klinik. Seit Gründung der Sana Fabricius-Klinik wurden hier von uns ca. 8.000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt. Diese Operation gehört zu den erfolgreichsten Operationen in der orthopädischen Chirurgie.

Den operativen Eingriff führen wir durch, wenn konservative Behandlungsmaßnahmen nicht mehr greifen. Besonders bei älteren Patienten mit Arthrose empfehlen wir den Einsatz einer Hüftgelenkendoprothese (siehe Abb. rechts). Sie bietet die bestmögliche Rekonstruktion des Gelenks unter Berücksichtigung der individuellen Gelenkgeometrie. D. h. die Gelenkpfanne soll optimal im Beckenknochen ausgerichtet und somit die Gelenkgeometrie wieder anatomiegerecht hergestellt werden. Die Hüftoperation wird mit einem Computerprogramm geplant, um so bei der Operation bei jedem einzelnen Patienten eine bestmögliche Positionierung der eingesetzten Implantate zu gewährleisten. Wir verwenden keinen Operationsroboter.

Um die bestmögliche Ergebnisse zu erreichen, setzen wir keine Monoblockprothesen sondern modulare Prothesen, Kurzschaftprothesen und knochensparende Oberflächenersatzprothesen ein. Diese ermöglichen es dem Operateur aufgrund auswechselbarer Prothesenhälse unterschiedlicher Länge und Winkelstellung, sowie unterschiedlicher Gelenkkopfgrößen- und tiefen, die geforderte individuelle Gelenkharmonie wieder herzustellen. Welche Prothese für Sie am besten ist, hängt von Ihrem Alter, Ihren Anforderungen, Ihrer Knochensubstanz und Ihren Allergien ab. Wir beraten Sie hier ausführlich.

Alle Patienten werden mit einem besonderen muskelschonenden Verfahren operiert, so dass ein Hinken durch Verletzung eines wichtigen Hüftmuskels vermieden werden kann.

Individuelle Versorgung durch die richtige Implantatwahl

1890 wurde zum ersten Mal ein krankhaft verändertes Hüftgelenk durch ein Kunstgelenk aus Elfenbein ersetzt. Nach mehreren erfolglosen Versuchen mit anderen Materialien wurde durch Sir John Charnley in Wrightington (England) in den 50er bis 70er Jahren des letzten Jahrhunderts die moderne Ära der zementierten Hüftendoprothetik (Hüftgelenkersatzes) eingeleitet. Er führte die bis heute am meisten eingesetzte Gleitpaarung zwischen dem ersetzten Hüftkopf aus Metall und einer Pfanne aus Kunststoff ein. Inzwischen werden in Deutschland jährlich ca. 150.000 künstliche Hüftgelenke (Hüft-TEPs) mit unterschiedlichen Gleitpaarungen eingesetzt. Die Behandlung von Hüftgelenkerkrankungen – nicht nur beim Erwachsenen – stellt einen Schwerpunkt der hiesigen Orthopädischen Universitätsklinik dar.

Neben vielen anderen operativen Verfahren werden in der Sana Fabricius-Klinik jährlich ca. 300 Hüftprothesen eingesetzt. Dazu kommen ca. 60 Austauschoperationen bei gelockerten Prothesenteilen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Versorgung von Patienten, bei denen das künstliche Hüftgelenk durch Bakterien infiziert wurde, was meist einen langen Krankenhausaufenthalt nach sich zieht.

Gelenkverschleiß

Abb. 1: Fortgeschrittener Knorpelverschleiß des rechten Hüftgelenks

Viele krankhafte Veränderungen können dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muß. Die bekannteste und häufigste Ursache, die zur Erkrankung führt, ist die Arthrose, der Gelenkverschleiß, welcher im Bereich des Hüftgelenkes als Coxarthrose (lat. coxa:die Hüfte) bezeichnet wird. Zahlreiche angeborene und erworbene Erkrankungen sowie Verletzungsfolgen können ebenfalls zu einem Gelenkverschleiß oder einem teilweisen Absterben des Hüftkopfes (Femurkopfnekrose) führen.

Das Hüftgelenk (lat: Articulatio coxae) ist die gelenkige Verbindung zwischen der Hüftpfanne und dem Oberschenkelkopf. Die tiefe halbkugelige Pfanne schließt mehr als die Hälfte des Kopfes ein, so dass es sich bei dem Gelenk um eine Sonderform des Kugelgelenkes, ein Nussgelenk, handelt. Die Oberflächen von Hüftpfanne und Hüftkopf sind von Knorpel überzogen. Aufgrund eines krankhaften Verschleißes kommt es zu einem Verlust der Knorpelsubstanz sowohl an der Pfanne als auch am Hüftkopf, welches letztendlich zu Schmerzen bei Belastung und später auch in Ruhe führen kann (Abb. 1). Zunächst werden solche Patienten mit Bewegungsübungen und Medikamenten behandelt. Wenn sämtliche nichtoperative Heilungsmethoden zu keiner Linderung der Schmerzen und Wiederherstellung der Beweglichkeit führen, kann ein künstlicher Hüftgelenkersatz zu einer deutlichen Verbesserung der Gelenkfunktion führen.

Künstliches Hüftgelenk

Bei einem künstlichen Hüftgelenk kann man zwischen Teil- oder Totalprothesen unterscheiden. Bei einer Teilprothese werden nur der Hüftkopf und der Oberschenkelhals ersetzt, wobei die menschliche Hüftpfanne erhalten bleibt. Bei einer Totalprothese wird zusätzlich auch die Hüftpfanne durch eine Prothese ersetzt, um auch die Schmerzen zu nehmen, die von einer nicht ersetzten Hüftpfanne ausgehen können. In unserer Klinik wird nur das letztgenannte Verfahren eingesetzt.

Abb. 2: Oberflächenersatz („Überkronung“) des rechten Hüftgelenkes

Bei einer herkömmlichen Totalendoprothese müssen der Hüftkopf und der Oberschenkelhals entfernt werden. Die Prothese wird dann mit einem Stiel im Kanal des Oberschenkelknochens verankert. Bei jungen Patienten mit einer guten Qualität des Knochens im Hüftkopf und im Schenkelhals kann dieser Knochen zum größten Teil erhalten bleiben, da lediglich die krankhafte Oberfläche des Hüftkopfes durch einen Oberflächenersatz wie ein Zahn überkront wird (Abb. 2).

Abb. 3: Kurzschaftprothese links

Falls die Knochensubstanz des Hüftkopfes nicht ausreichend gut ist oder Kontraindikationen bestehen, um einen Oberflächenersatz durchzuführen, kann bei jungen Patienten auch eine so genannte Kurzschaftprothese eingesetzt werden. Wie auf der Abbildung 3 zu erkennen ist, bleibt auch hier ein großer Teil des Oberschenkelknochens unberührt, so dass im Fall einer Lockerung der intakte Knochen für die Verankerung der neuen Prothese nutzbar ist.

Abb. 4: Hüftgelenkersatz links mit einer zementierten Totalendoprothese

Man kann Prothesenanteile mit und ohne Knochenzement verankern. Bei einer Zementierung wird während der Operation aus zwei Komponenten ein schnell härtender Kunststoff hergestellt („Zement“), welcher im Knochen mit der eingesetzten Prothese innerhalb von ca. 15 Minuten aushärtet und so eine optimale Passform zwischen Prothese und Knochen herstellt (Abb. 4). Bei dem Knochenzement handelt es sich um Polymethymetacrylat (PMMA), der dem aus dem Alltag bekannten Acrylglas ähnlich ist. Hier ist eine Vollbelastung des Implantates direkt nach der Operation möglich, wird jedoch in den meisten Fällen nicht erlaubt, da die wenigen bei der Operation abgelösten und wieder angenähten Muskelansätze erst wieder fest anwachsen müssen, um das Gelenk in Zukunft optimal stabilisieren zu können.

Wenn Prothesen ohne Knochenzement verankert werden, wachsen Knochenzellen auf die aufgeraute Oberfläche der Prothese (Abb. 5b), um dann eine biologische Fixierung zu erreichen. Auch hier muss die zum Teil abgelöste Muskulatur wieder anheilen.

Bei jedem Patienten muß individuell entschieden werden, welche Art der Prothese und der Verankerung zu wählen ist.

Vorgehen bei der Operation

Abb. 5: Modell eines zementfreien Schaftes links mit Keramikkopf (5a) und eines zementiert einzubauenden Hüftschaftes rechts mit Metallkopf (5b)

Die Operation wird in Teilnarkose (Rückenmarksbetäubung) oder in Vollnarkose durchgeführt. Je nach Operation liegt der Patient dabei auf dem Rücken oder auf der Seite und die Narkose dauert je nach Fall zwischen ein und zwei Stunden. Bei Austauschoperationen kann die Operation auch mehrere Stunden dauern. Nach einem Hautschnitt von ca. 15 cm Länge an der Seite der zu operierenden Hüfte wird die Muskulatur zur Seite abgeschoben, zum Teil vom Knochen getrennt und dadurch das Hüftgelenk nach Entfernung der Hüftgelenkkapsel freigelegt. In den meisten Fällen muß der Oberschenkelhals mit dem Hüftkopf mit einer Säge entfernt werden. Zunächst wird dann die Hüftpfanne zur Vorbereitung für den Einsatz der künstlichen Pfanne mit passenden Fräsen aufgefräst. In diesem Haus werden Pfannen eingesetzt, die entweder zementiert eingesetzt oder so eingeschlagen werden, dass diese durch eine zirkuläre Spannung im Knochen gehalten werden („press-fit“), so dass dann die Knochenzellen auf die Prothese anwachsen können. Bei zementfreien Pfannen wird anschließend ein Kunststoffeinsatz in die Titanschale eingeklemmt. Zementfreie Schalen können hier auch mit Hilfe eines Navigationssystems exakt positioniert werden. Dazu ist zurzeit noch eine Computertomographie des Beckens vor der Operation notwendig.

Danach wird der Markraum des Oberschenkelknochens so präpariert, dass der Schaft exakt mit oder ohne Zement richtig sitzt. Zunächst wird durch einen Probeschaft und einen aufgesetzten Probeprothesenkopf überprüft, ob eine regelrechte Funktion gewährleistet ist. Dabei wird auch auf eine möglichst exakte Beinlänge geachtet. Wesentlich ist jedoch, dass der Kunstkopf nicht aus der Pfanne herausspringt. Um die Weichteilspannung, die im Wesentlichen durch die Muskulatur gewährleistet wird, bestmöglich austarieren zu können, gibt es Prothesenköpfe in verschiedenen Längen. Nachdem eine Röntgenkontrolle einen regelrechten Sitz des Probeschaftes gezeigt hat und durch die funktionelle Untersuchung das gewünschte Ergebnis erzielt wurde, kann der Originalschaft mit oder ohne Knochenzement verankert werden (Abb. 5 a/b).

Nach Aushärtung des Knochenzementes kann dann der Originalkopf aus Metall oder Keramik aufgesetzt und die Prothese in die vorbereitete Kunstpfanne reponiert werden. Nach einer nochmaligen Funktionsüberprüfung wird die Wunde ausgespült und Wundschläuche eingelegt. Dadurch kann ein möglicher Bluterguss nach außen ausgeleitet werden. Die Schläuche werden spätestens zwei Tage nach der Operation wieder entfernt.

Minimalinvasive Operationstechnik SuperPath

Seit 2016 setzen wir nach Möglichkeit die muskelschonende minimalinvasive Operationstechnik SuperPath ein. Durch einen viel kleineren Hautschnitt als bei üblichen Operationsverfahren können die Implantate ohne Verletzung der Muskulatur und unter Erhalt der Hüftgelenkkapsel eingebracht werden. Dies führt zu einer schnelleren Mobilisation, einem geringeren Blutverlust und zu weniger Schmerzen nach der Operation. Bisher wurden über 1000 Patienten mit dieser Methode bei einer sehr geringen Komplikationsrate versorgt.

Sollte diese Technik aus verschiedensten Gründen nicht möglich sein, verwenden wir einen minimalinvasiven „hinteren“ Zugang, bei dem auch die wichtigsten Hüftmuskulatur geschont wird. Insbesondere wird der wichtigste Hüftmuskel (M. Gluteus medius) nicht verletzt. Auf Grund der sehr guten Ergebnisse und des geringen Blutverlustes verzichten wir die Möglichkeit der Eigenblutspende vor der Operation.

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Freie Gelenkkörper

Operationen

Freie Gelenkkörper, egal ob weiche Schleimhautanteile, Knorpel- oder Knochenstücke, können mittels kleiner Fasszangen unter arthroskopischer Sicht entfernt werden.

Knorpelverletzungen

Knochenbank

Unsere hauseigene Knochenbank dient der Rekonstruktion von Knochendefekten. Bei Unfällen, Gelenkerkrankungen oder Prothesenlockerungen, die zu Knochendefekten führen, greifen wir auf den Einsatz dieser Technik zurück.Dabei werden Hüftköpfe, die bei einem Ersatz des Hüftgelenkes von diesen Patienten nicht mehr benötigt werden, nach ausgiebiger und validierter Technik auf Bakterien und Viren geprüft, anschließend wärmebehandelt und dann bei -70 °C eingefroren. So können die Hüftköpfe maximal 5 Jahre steril aufbewahrt werden.

Als Grundlage für unsere Transplantationsarbeit gelten für uns die „Richtlinien zum Führen einer Knochenbank“. Die darin festgelegten Qualitäts- und Sicherheitsstandards dienen vor allem dem Schutz unserer Patienten.

Falls ein Patient Knochen benötigt, wird dieser aufgetaut und dann eingesetzt. Abstoßungsreaktionen treten nicht auf, da alle Eiweiße durch die vorherige Behandlung nicht mehr aktiv sind. Man nutzt nur noch die Grundstruktur des Knochens. Der Fremdknochen wird dann über mehrere Monate wieder durch eigenen Knochen ersetzt.

Darüber hinaus ist auch die Verwendung von modernen, synthetischen Knochenersatzstoffen möglich. Die Materialauswahl treffen wir unter Berücksichtigung des individuellen Krankheitsbildes und dem Wunsch unseres Patienten.

Knorpelzüchtung und -implantation

Knorpelzellimplantate kurz vor der Implantation

Eine Besonderheit ist die Knorpelzüchtung und -implantation am Hüftgelenk. Diese Verfahren wird bei isolierten, tiefen Knorpelschäden bei Patienten unter 55 Jahren eingesetzt. Der einzelne Knorpelschaden sollte nicht zu groß sein und um den Defekt herum muss sich noch intakter Knorpel befinden.

Wir sind als „Zentrum für Knorpeltherapie“ durch die Landesregierung NRW zur Knorpelzüchtung/Transplantation zugelassen.

Bei der sogenannten MACI (Matrixassozierte autologen Chondrocyten Implantation) werden operativ entnommene körpereigene Knorpelzellen in einem biotechnologischen Verfahren gezüchtet und auf eine Trägersubstanz (Matrix) aufgebracht. Dadurch entsteht ein dreidimensionales Knorpelzell-Transplantat. Die Herstellung des Transplantates im Labor dauert 6–8 Wochen. Das Transplantat kann in einem minimalinvasiven Eingriff in den vorbereiteten Bereich des Gelenkknorpelschadens eingebracht werden. Die Zellen vermehren sich im Gelenk weiter, bis der Knorpeldefekt geschlossen ist. Dies kann bis zu einem Jahr dauern.

In der Nachbehandlung erstellen wir Ihnen einen individuellen Rehabilitationsplan. Je nach Lokalisation des Knorpelschadens muss das Gelenk bis zu sechs Wochen an Gehstützen entlastet werden. Es kommen gezielte physiotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz, anfangs passiv, dann zunehmend aktiv. Ein intensives Muskelaufbautraining, das bis zu einem halben Jahr dauern kann und dafür sorgt, dass Sie ihr Bein wieder voll belasten können, schließt die Rehabilitation ab.

CAM oder Pincer Impingement

Das Impingement oder Engpasssyndrom ist eine Erkrankung, die mittels Hüftarthroskopie erfolgreich behandelt wird.

Beim Cam-Impingement kommt es durch eine Knochennase am Schenkelhals zu immer wiederkehrenden Einklemmungen der Knorpellippe (Labrum), die das Gelenk umgibt. Mit der Zeit gibt es Einrisse im Labrum, die dann später zu einem Knorpelverschleiß führen. Bei der Hüftarthroskopie wird die Knochennase am Schenkelhals entfernt und das Labrum geglättet oder genäht.

Wird der Eingriff früh genug durchgeführt, kann die Entstehung von Knorpelschäden verhindert werden. Sind erst Knorpelschäden vorhanden, so können diese durch die Arthroskopie verbessert, aber nicht ganz rückgängig gemacht werden.

Beim Pincer-Impingement kommt es durch Knochenanbauten am Pfannenrand zu Einklemmungen. Die Folgen sind ähnlich wie beim Cam-Impingement. Die Therapie besteht in einem Entfernen der Knochennasen und ggf. Wiederanheften der Knorpellippe am Pfannerand.

Operationen

Die Hüftgelenksarthroskopie (Hüftgelenksspiegelung/siehe Abbildung) setzen wir seit einigen Jahren zunehmend sowohl zur Diagnostik als auch zur Therapie bei bestimmten Hüfterkrankungen ein.

Mit ca. 100 Hüftarthroskopien im Jahr ist dieser minimalinvasive Eingriff einer unserer Schwerpunkte und mittlerweile als Standardverfahren etabliert. Wir können damit den Patienten ein in der weiteren Umgebung einzigartiges Verfahren zur Verfügung stellen.

Hierzu gehören:

  • Erkrankungen der Hüftgelenksschleimhaut
  • freie Gelenkkörper
  • Verletzungen des Knorpels oder des Labrums (ein faserknorpeliger Wulst am Pfannenrand)

Auch leichte oder mittelgradige Arthrosen können behandelt werden. Der Verschleiß sollte dabei noch nicht zu weit fortgeschritten sein.

Bei dem Eingriff befindet sich der Patient in Vollnarkose oder erhält eine Lendenwirbelsäulenbetäubung.

Unter Kontrolle eines Röntgengerätes wird über einen kleinen Schnitt das Arthroskop in das Hüftgelenk eingeführt (siehe Abbbildung). Anschließend werden unter arthroskopischer Sicht 1–2 kleine zusätzliche Arbeitszugänge angelegt.

Der Eingriff wird stationär durchgeführt. Den möglichen Behandlungserfolg einer Arthroskopie klären wir in einem ausführlichen Beratungsgespräch mit Ihnen.

Gelockerte künstliche Hüftgelenke

Operationen

Prothesenwechsel

Der Prothesenwechsel ist einer der vielen Spezialoperationen, die hier jede Woche durchgeführt werden. Durch verschiedene Ursachen wie Unfälle, Abrieb von Kunststoff, einer Infektion oder den natürlichen Alterungsprozess der Knochen kann es zu einer Lockerung der Prothese kommen.

Wir arbeiten hier mit spezialisierten Instituten zusammen, um weitere Untersuchungen durchzuführen, die über die Diagnostik mittels Röntgenstrahlen und Ultraschall hinausgehen. Durch unsere modernste digitale Röntgenanalage können wir aber schon feine Veränderungen feststellen.

Durch regelmäßige Untersuchungen können wir den Grad des Knochenverlustes ermitteln, beobachten und so rechtzeitig handeln. Treten infolge der Abnutzung Schmerzen auf oder ist die Stabilität des Gelenks nicht mehr gewährleistet, tauschen wir die Prothese aus. Im Rahmen dieser Operationen können wir auch aufgelösten Knochen durch Fremdknochen aus unserer Knochenbank ersetzen.

Falls eine Austauschoperation durchgeführt werden muss, können wir auf Spezialinstrumente zurückgreifen, um so die Implantate möglichst schonend zu entfernen. Wir verwenden zur Implantation der neuen Prothese bewährte und sehr hochwertige Materialien.

Vor der Operation wird auch hier eine computerunterstützte Planung vorgenommen, um die Implantate bestmöglich nach biomechanischen Gesichtspunkten einsetzen zu können.

Bei infizierten Hüftprothesen gehen wir zweizeitig vor. Bei der ersten Operation wird das infizierte Kunstgelenk entfernt, das befallende Gewebe gereinigt und ein Platzhalter aus antibiotischem Knochenzement eingesetzt. Dieser Platzhalter, der von der Form her an ein künstliches Gelenk erinnert, gibt während der Zeit zur nächsten Operation Antibiotika ab und ermöglicht ein Laufen an zwei Unterarmgehstützen. Er erleichtert zudem das Wiedereinsetzen einer neuen Prothese nach ca. 3 Monaten. Die neue Prothese wird eingesetzt, wenn keine Keime mehr durch eine Punktion 8 Wochen nach dem Entfernen der alten Prothese nachweisbar sind.

Nach der Operation

Zunächst wird der Patient für eine Nacht zur Überwachung auf die Anästhesiologische Intensivstation verlegt. Am nächsten Tag wird der Patient je nach körperlichem Zustand bereits an der Bettkante sitzen und erste Schritte mit Hilfe der Krankengymnasten laufen können.

Nach einem stationären Aufenthalt von etwa zwei Wochen werden die Patienten ambulant oder stationär in einer Reha-Klinik nachbehandelt. Meistens ist eine Teilbelastung des operierten Beines mit zwanzig Kilogramm für sechs Wochen notwendig. Bei größeren Operationen, und wenn eventuell fehlender eigener Knochen (etwa durch Auslockerung der Prothese) durch Knochen aus der Knochenbank ersetzt werden musste, wird auch eine längere Teilbelastung über mehrere Monate notwendig.

Jeder Patient erhält einen Prothesen-Pass, in dem die verwendeten Prothesenteile bezeichnet sind.

Sehr wichtig ist, dass die Patienten mit ihrer Prothese bewusst umgehen, um so eine möglichst lange Haltbarkeit zu erreichen. Während der Nachbehandlung direkt nach der Operation werden von unseren Krankengymnastinnen und unserer Ergotherapeutin die Patienten lernen, welche Bewegungen sie mit ihrem neuen Hüftgelenk durchführen dürfen und welche nicht. So dürfen die Patienten am Anfang nicht im Bett auf der Seite liegen, später nur mit einem Kissen zwischen den Beinen. Es muß gelernt werden, dass man die Schuhe richtig anziehen soll. Während der ersten zwölf Wochen ist die Gefahr einer Ausrenkung des Kunstgelenkes deutlich erhöht. Während dieser Zeit bildet sich durch Narbengewebe eine neue Hüftgelenkkapsel, die eine Ausrenkung in der Zeit danach in den meisten Fällen verhindern kann. Vermieden werden sollte in der Folgezeit nach einer Hüftgelenkoperation das Heben von schweren Lasten, das Sitzen und Liegen mit übereinander geschlagenen Beinen sowie das Sitzen auf niedrigen Stühlen.

Ausblick

Durch neue Implantatmaterialien und verbesserte chirurgische Techniken sind weitere Verbesserungen zu erwarten, die eine schnellere Rehabilitation nach sich ziehen und die Haltbarkeit der Prothesen weiter verlängern können.<